Jetzt wird es kriminell
Seit dem 1.01.08 liegt die Beweislast beim Internetnutzer, wenn es darum geht, Dateien von Sharing-seiten zu laden. Pauschal ist jede so vervielfältigte Datei eine Raubkopie, solange man nicht das Gegenteil beweisen kann. In der Theorie änderte sich damit einiges in der Internetpfandung: Jetzt können nicht nur Anbieter, sondern auch Downloader jederzeit für ihre Sträflichkeiten belangt werden.
In der Praxis gab es noch nie eine so große Diskrepanz zwischen Recht und Realität. Tatsächlich ist es so, dass ein Großteil der Bevölkerung sich nicht der Verschärfungen bewusst ist, geschweige denn, dass die Leute glauben können, dass sie sich mit der Annahme einer gebrannten CD zum Verbrecher machen. Trotzdem ist es so, dass nach derzeitiger Rechtslage praktisch die ganze Bevölkerung kriminalisiert wird. Niemand kann von sich sagen, noch nie kopierte Musik gehört oder privat erworbene und geliehene Videos innerhalb einer größeren Gruppe gesehen zu haben. Selbst die zukünftige Generation von Polizisten wird sich nicht dem Vorwurf erwehren können, in der Jugend einmal eine solche Freveltat begangen zu haben.
Doch wer ist schuld? Unmöglich kann die Mehrheit der Bevölkerung schuld sein. Das wäre wider jedes demokratischen Denkens, nach dem vom Prinzip her das Volk sich nicht selbst läutern kann bzw. sollte.
Die einzig logische Konsequenz liegt bei Politikern und Lobbyisten. Da wo viel Geld im Spiel ist, wird zugunsten des Geldes entschieden. Plattenlabel und rückgradslose Juristen klagen immer haltloser und intensiver gegen harmlose Bürger. Man möchte meinen, die Leute sollten sich wieder um ihr eigentliches Handwerk kümmern. Die Plattenlabel des Mainstreams sind sowieso nicht dafür bekannt, gehaltvolle, anspruchsvolle Musik zu produzieren. Das Geschäftsmodell des Plattenlabels und jeder anderen Organisation, die auf Copyrights beruht, wird vermutlich eines Tages nicht mehr zukunftssicher sein. Die authentischen Künstler, die bereits einen realistischeren Weg gehen, freuen sich über jeden ihrer Hörer, legal oder illegal, und verdienen ihr Geld mit Konzerten.
Fakt ist, dass es mit der momentan Lage nicht dauerhaft weitergehen kann. Irgendwann wird es einen Wandel geben, der entweder Politiker und Lobbyisten zur Einsicht zwingt oder die mehrheitliche Bevölkerung in die Gefängnisse treibt. Vorerst befinden wir uns in einer Phase der zunehmenden Radikalisierung. Auch in Datenschutz und Überwachungsfragen hat es den Anschein, dass der "Kampf gegen den Terrorismus" zum eigentlichen Terror selbst wird. Da ist es kein Wunder, dass unbedarfte Eltern, Schüler und sogar Schulleiter in Angst, womöglich sogar in Hysterie verfallen.
So kommt es, dass in einer namhaften Schule gesponsorte Computer vom Netz genommen und der endgültigen Verstaubung ausgesetzt werden, dass die Internetnutzung möglicherweise so beschränkt wird, dass wir den überwiegenden Funktionsverlust befürchten müssen, dass pädagogisch wertvolles Medienmaterial nicht im Unterricht gezeigt werden darf und dass Lehrer um Erlaubnis fragen, wenn sie den Blog ihrer Schüler besuchen möchten.
In diesem Sinne: Frau P., natürlich ist es ihnen erlaubt, diesen Blog zu besuchen. Sie dürfen auch Beiträge kommentieren.
Es ist ihr Grundrecht.
In der Praxis gab es noch nie eine so große Diskrepanz zwischen Recht und Realität. Tatsächlich ist es so, dass ein Großteil der Bevölkerung sich nicht der Verschärfungen bewusst ist, geschweige denn, dass die Leute glauben können, dass sie sich mit der Annahme einer gebrannten CD zum Verbrecher machen. Trotzdem ist es so, dass nach derzeitiger Rechtslage praktisch die ganze Bevölkerung kriminalisiert wird. Niemand kann von sich sagen, noch nie kopierte Musik gehört oder privat erworbene und geliehene Videos innerhalb einer größeren Gruppe gesehen zu haben. Selbst die zukünftige Generation von Polizisten wird sich nicht dem Vorwurf erwehren können, in der Jugend einmal eine solche Freveltat begangen zu haben.
Doch wer ist schuld? Unmöglich kann die Mehrheit der Bevölkerung schuld sein. Das wäre wider jedes demokratischen Denkens, nach dem vom Prinzip her das Volk sich nicht selbst läutern kann bzw. sollte.
Die einzig logische Konsequenz liegt bei Politikern und Lobbyisten. Da wo viel Geld im Spiel ist, wird zugunsten des Geldes entschieden. Plattenlabel und rückgradslose Juristen klagen immer haltloser und intensiver gegen harmlose Bürger. Man möchte meinen, die Leute sollten sich wieder um ihr eigentliches Handwerk kümmern. Die Plattenlabel des Mainstreams sind sowieso nicht dafür bekannt, gehaltvolle, anspruchsvolle Musik zu produzieren. Das Geschäftsmodell des Plattenlabels und jeder anderen Organisation, die auf Copyrights beruht, wird vermutlich eines Tages nicht mehr zukunftssicher sein. Die authentischen Künstler, die bereits einen realistischeren Weg gehen, freuen sich über jeden ihrer Hörer, legal oder illegal, und verdienen ihr Geld mit Konzerten.
Fakt ist, dass es mit der momentan Lage nicht dauerhaft weitergehen kann. Irgendwann wird es einen Wandel geben, der entweder Politiker und Lobbyisten zur Einsicht zwingt oder die mehrheitliche Bevölkerung in die Gefängnisse treibt. Vorerst befinden wir uns in einer Phase der zunehmenden Radikalisierung. Auch in Datenschutz und Überwachungsfragen hat es den Anschein, dass der "Kampf gegen den Terrorismus" zum eigentlichen Terror selbst wird. Da ist es kein Wunder, dass unbedarfte Eltern, Schüler und sogar Schulleiter in Angst, womöglich sogar in Hysterie verfallen.
So kommt es, dass in einer namhaften Schule gesponsorte Computer vom Netz genommen und der endgültigen Verstaubung ausgesetzt werden, dass die Internetnutzung möglicherweise so beschränkt wird, dass wir den überwiegenden Funktionsverlust befürchten müssen, dass pädagogisch wertvolles Medienmaterial nicht im Unterricht gezeigt werden darf und dass Lehrer um Erlaubnis fragen, wenn sie den Blog ihrer Schüler besuchen möchten.
In diesem Sinne: Frau P., natürlich ist es ihnen erlaubt, diesen Blog zu besuchen. Sie dürfen auch Beiträge kommentieren.
Es ist ihr Grundrecht.
schlauch - 4. Mrz, 21:28
Zum weiter lesen über Künstler: http://freakshow.lesmercredis.de/2008/02/27/und-die-kunstler/
und, mit anderer Meinung: http://www.nerdcore.de/wp/2008/03/03/what-about-the-artist-vs-musikblogs-retten-die-musikindustrie/
"Ohne Label, kein Vertrieb. Ohne Vertrieb, keine Veröffentlichung (egal wo, ob CD oder Itunes). Ohne Veröffentlichung, kein Konzert. Ohne Konzert, keine Fans. As simple as that."
"Für kleine Bands und Labels ist diese Zeit des Umbruchs wahrscheinlich am schwersten, die Majors haben immer noch einen netten Speckgürtel aus den Neunzigern, mit dem sie überleben können."
Mittelfristig wird also die Vielfältigkeit eher zerstört, da es keinen "Anschubser" von Indielabels mehr geben wird.
Bands wie NIN oder Radiohead kommen ohne Label aus, aber nur weil sie weltbekannt sind. Selbstvertrieb funktioniert nicht. Im besten Falle geht es einem so wie Toni Mahoni, der nun von einem Label aufgenommen wurde, nach dem er jahrelang "Star" der Bloggerszene war.
(Edit: und ich finde es unglaublich pathetisch, den Kampf gegen den Terror selber als Terror zu bezeichnen. Diese Position kann man sich leisten, bis man den Allah uk Akbar Schrei des U-Bahn-Rucksackträgers hört. Terror ist eine reale Gefahr, vor der man sich schützen muss. --> Doch als Schutz wahllos in muslimische Länder einmarschieren ist eine eher bekackte Idee,
Vertrieb hatte schon immer den Zweck, Produkt und Kunde zu verbinden. Mit technologischen Entwicklungen wie Radio, Plattenspieler, CD und co. wurde dieser Schritt erleichtert, erforderte jedoch immer eine Instanz (-> Label), die für Geld zwischen Künstler und Hörer vermittelte.
Nun ist es jedoch heutzutage so, dass diese Instanz weitestgehend unnötig wird, da sie eine Lücke füllen will, die es nicht mehr unbedingt gibt.
Selbstvertrieb funktioniert nicht, solange diese Lücke künstlich aufrecht erhalten wird. Der Konkurrenzdruck ist einfach zu hoch und die alten Denkweisen sind noch zu fest verankert.
Ich halte millionenschwere Pop-stars und allerlei Kulturbrimbamborium der Neunziger deshalb für ein temporäres Phänomen, dass einfach von den damaligen technologischen Bedingungen und einer trendanfälligen Gesellschaft profitierte. Vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt aus gesehen ist die Erwartungshaltung, man könnte Star werden und hätte ausgesorgt, unrealistisch, da die Wertschöpfung, die mit Kunst einher geht, undefinierbar ist.
Die zerstörte Vielfältigkeit ist nach meiner Meinung eher eine scheinbare. Trotzdem ist es vielleicht weit hergeholt, wenn man eine Art "Kulturdarwinismus" propagiert, welcher die "geldgierigen" Künstler aussondert und die "wahrhaftigen, leidenschaftlichen" Künstler bestehen lässt.
Mit dem "Kampf gegen den Terrorismus" ging es mir um ungeklärte datenschutzrechtliche Fragen und Maßnahmen, die in ihrem Vehältnis zu ihrem Nutzen zu sehen sind. "Terror" wurde in der Vergangenheit zu oft als Schlagwort für ungerechtfertigte Maßnahmen verwendet, was du schon unter den Begriff "bekackte Idee" zusammengefasst hattest.
Da Terror auch Einschüchterung heißt und viele Menschen in meiner Umgebung sich vom Gesetzgeber eingeschüchtert fühlen, habe ich lediglich angedeutet, dass es diesen Anschein gibt. Ob es tatsächlich so ist, hängt von Faktoren ab, auf die ich hier nicht genauer eingehen wollte.
Wie auch immer, mir geht es nicht ausschließlich um Musikindustrie und Terrorismus im Speziellen, sondern eher um die paradoxe Gesetzesgebung, die mir zu idealistisch und zu wenig realistisch erscheint.