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Kalte Tage

äh... ich hab mich mal der kurzprosa zugewandt, versucheshalber ;)

Kalte Tage

Januarnacht. Ich stehe und spähe. Einer ist verloren, mit ihm meine Macht, meine Ruhe. Mein linker Fuß trifft rhythmisch das Pflaster. Ich bin so ungeduldig, so bedürftig. Dich kenne ich nicht, du bist mein nächtlicher Triumph. Mein Zorn treibt mich.
Das Licht der Kneipe pflastert den Gehsteig. Du sitzt drinnen und schaust raus und schweigst. Ich verschränke die Arme, lehne mich an die gegenüber liegende Hauswand.
Du bist einer von diesen Schleichern, den unsachlichen Kettenrauchern, die das was-weiß-ich-wie-vielte Bier des Abends mit einem gönnerhaften Nicken bestellen. Du wähnst dich lauernd, doch jede potentielle Beute stört deine Kreise, erschüttert dich. Du weißt nicht warum, doch du fühlst heute das Morgen und vor allem rot. (Weil mein Zorn nackt ist.)
Schnee fällt. Ich löse mich von der Wand und nähere mich der Kneipentür.
Der Asphalt, die Bühne meiner Szene, ist erfroren, du wirst ausrutschen auf deinem Weg zu mir, den du nicht antreten willst. Stopp, nicht zu weit. Hier stehe ich, die Wartende, die Zügellose, ich trete auf der Stelle. Meine Schatten werfe ich auf dich. Komm raus, komm her! Ich locke dich, leite dich, will dein Schaudern, Zittern, ich will deine Unruhe. Ich warte, dass dir klar wird, dass du spürst, dass ich nur lache, um die Augen zu schließen, dass ich nur Straßen gehe, um verwegen zu sein, um an dir vorüber und die Schnur um den Hals zu ziehen. Komm her, komm raus! Hier stehe ich, die Zügellose. (Weil mein Zorn nackt ist.)
Du siehst müde aus, nichts könnte dich überraschen. Doch, ich könnte! Du betrachtest flüchtig die letzten ausdauernden Gäste, du weißt, sie werden nie andere sein, so wie du immer derselbe bist. Du bist so stumm, nicht zaghaft, nein, nur ist nichts deine Bewegung wert. Und ich bin so ungeduldig, so bedürftig. Latsch doch endlich raus, da, durch den Türahmen, halte dich nicht mit Lässigkeiten auf.
Du erhebst dich, nimmst deinen Mantel vom Haken, packst die Zigaretten ein. Der Preis ist längst gezahlt, du hast dich noch nie umgeschaut.
Ja, komm, ich habe dich erlegt, es zieht dich zu mir. Vorfreude. Bleib still, Mädchen, verdirb nicht den Schluss! Du steckst dir eine an, wendest mir dein Gesicht zu, bläst den Rauch in meine Richtung. Jetzt gehörst du mir, meinem Zorn bist du erlegen, jetzt willst du dich daran satt trinken. Erwartung. Dann gehst du, blickst auf den Gehsteig vor dir und gehst, schlurfst durch den Schnee, der hinter dir ergraut. Ich habe mich nicht bewegt, du warst es. Januarnacht. Schnee fällt. Weil mein Zorn nackt ist, wird er sich erkälten.

Anna Wolff
mightygurke - 24. Okt, 15:28

bliblablub,
such mal nach kratistos im icq; zwecks kontaktaufnahme. Oder habt ihr mittlerweile gar ein Telefon? Dann gib mir deine Telefonnummer. Melde dich, zackzack ;)
(ich bin auf jegliche höhnische kommentare vorbereitet)

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