KUNSThonig

Mittwoch, 18. Juni 2008

Der heilige Heiner

"Was du nicht willst, das man dir tut,
das tut auch keinem andren gut,
so geh hin und trage auch den Hut,
den Kant vor Jahren einmal auf den Kopf hatte!",
das sagte Heiner; der trug den Hut.
Heiner mag keiner. Keiner trug keinen Hut,
den Heiner mal auf dem Kopf hatte.

Alle hatten alsbald Flöhe,
wegen Heiner.
Was keiner wollte, tat auch keinem Heiner gut.
So kam Heiner in den Eimer.

Zweitausend Jahre später trugen alle einen Eimer
und heiligten Heiner.

Freitag, 16. November 2007

Sandkorn

Ich bin ein Sandkorn,
nicht besser und nicht schlechter als die anderen.
Ob ich oben bin und die Sonne mich bescheint,
ob ich unten bin und die anderen trage,
ob ich mit dem Wind vereint,
oder in einer aussichtslosen Lage
vegetiere.
Ich bleibe ein Sandkorn,
dass nichts kann,
nichts tut,
nichts ist,
wie alle anderen.

Freitag, 14. September 2007

Der Herbst

Ein Blatt, das fällt,
der Sonne entgegen
im Schatten der sternenklaren Tage,
im loderndem Regen.

Ein Schmetterling
der die letzten Runden fliegt
im Licht der längst vergangenen Jahre
dort, wo die alte Unschuld liegt.

Und dann, ein roter Ahornbaum,
der sich dem Wind entgegenlehnt,
der immer steht, egal wie schnell
die Zeit vergeht.

Mittwoch, 12. September 2007

Vom Arschtier

Es lebte einmal ein Arschtier in den Weiten des haarigen Dschungels der Bildung. Es zeichnete sich durch seine plumpe Art, den unangebrachten Bemerkungen, seine Durchschaubarkeit und seinem geschmackslosem Benehmen aus. Dieses Arschtier hatte, wie alle anderen Arschtiere auch, einen kleinen Joystick an sich angebracht, der ihm immer die Richtung wies. Eines Tages dachte sich der Joystick des kleinen Arschtieres, es könnte mal einen auf großen Macker machen, einen auf Experte spielen, und dadurch vielleicht den Status des Alpha-Arschtieres gewinnen. Alle anderen Arschtiere dachten ähnlich, deswegen waren es ja Arschtiere, weil sie vorhersehbare Aktionen durchführen.
Wie zum Beispiel beim Raufhauen. Arschtiere laufen immer hinterher, wenn es sich um eine kleine und runde Sache handelt. Alle springen, geben einen unzivilisierten Laut von sich und stoßen sich gegenseitig die Köpfe ein, um einen sinnlosen Ball zu bekommen, des Balles wegen. Das hat der Joystick befohlen.
Der Joystick hatte auch befohlen, so laut wie möglich zu reden, mit einer möglichst unangehmen, ekelhaften Stimme. Auch wenn das Arschtier 50 cm von entfernt steht und mit dir redet, kann jedes andere Tier auf der Welt dieses Gespräch mitverfolgen. Arschtiere haben es schon nicht leicht. Wollen sie doch unbedingt zeigen, wie groß ihr erbärmliches Wissen ist, und rufen immer und immer wieder dieselben Binsenweisheiten in die Menge rein. Arschtiere wollen Alpha-Arschtiere sein, folgen aber auch unbewusst, oder gerade deswegen, den anderen Alpha-Arschtieren. So passiert es, dass Arschtiere bestimmten Trends folgen, oder sich aus allgemeiner Geschmackslosigkeit und ästhetischem Unempfinden jeden Morgen 3 Liter Gel in die Haare schmieren. Arschtiere sind haarbedeckt. Aber wer echte Arschtiere sucht, der weiß, wo man sie findet.
Wer kann am besten grunzen? Das Arschtier. Wer kann am besten auf den Ball raufhauen? Das Arschtier. Wer kann am besten 2 ganze Schulbänke für sich beanspruchen? Das Arschtier. Wer hat den kleinsten Joystick? Das Arschtier. Und wenn es nicht gestorben ist, dann lebt das Arschtier noch heute.

Sonntag, 9. September 2007

So schön. So friedlich. So strahlend.

Das hier.
Zum selben Thema ist auch das gleichnamige Album von Tocotronic zu empfehlen.


Wenn ich sowas höre, STRAHLE ich. Mein innerer Droog, mein eigenster Tyler, mein Oh Dae-Su, löst sich in Rauch auf; meine 5te Symphonie verschwindet. Und ich möchte den Menschen die Köpfe streicheln, die ich ihnen doch einschlagen muss (mit Dank an Lenin).

Die Steigerung ist die 9te von Beethoven, sie spricht die selben Teile in mir an, nur stärker.

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