Philophysik

Sonntag, 16. Dezember 2007

Die Absurdität des Nihilismus - eine absurde Abführung

Es besteht kein Unterschied, wenn gesagt wird: "Es gibt keine Wahrheit." oder gesagt wird: "Niemand kann die Wahrheit erkennen.". Denn "Wahrheit" ist ein Erzeugnis des Menschen: Sie wird in dem Moment geschaffen, in der wir sie finden. Es kommt also aufs Gleiche hinaus, wenn wir sagen: "Niemand kann eine Wahrheit schaffen", oder wenn wir sagen: "Es gibt von von Anfang an keine Wahrheit". In beiden Aussagen bleibt sie eine nicht seiende Erfindung, also eine Einbildung. Sie ergeben keinen Widerspruch.
Allerdings besteht sehr wohl ein Unterschied, wenn jemand sagt: "Gott ist tot.", oder sagt: "Gott ist nicht erfassbar, nicht beweisbar, flüchtig."
Angenommen mit Gott ist ein oberstes Prinzip, eine ewige Instanz, gemeint, das über unserer Welt steht. Dann wird der Unterschied erkennbar, wenn jemand sagt: "Es gibt kein oberstes Prinzip." oder sagt: "Wir werden ein oberstes Prinzip nie erfassen können.". Während die erste Aussage Gottes Existenz von vornherein ausschließt, schließt die zweite Aussage lediglich deren Beweisbarkeit aus. Im Gegensatz zu der oben dargestellten "Wahrheit" kann man hier nicht unbedingt von der Nicht-Auffindbarkeit auf die Nicht-Existenz schließen, es sei denn man deklariert den "Gott als das oberste Prinzip" von vornherein als subjektive Einbildung und nicht als Wahrnehmung eines seienden Dinges aus der existierenden Welt.
Da wir aber davon ausgehen, dass der Mensch nur durch die Inspiration seiner Sinneserfahrung auf sein Denken schließen kann, darf Gott also auch existieren, wenn wir ihn nicht zu erkennen vermögen.
Damit ergeben diese beiden Aussagen einen Widerspruch. Die zweite Aussage: "Gott gibt es oder auch nicht." ist in jedem Fall als wahr anzusehen, während die erste Aussage: "Gott gibt es nicht." unbegründet im Raum steht. Folglich ist die nihilistische Aussage: "Es gibt keine oberste ewige Instanz, keinen Gott, kein oberstes Prinzip." keine empirische Wahrheit, sondern nur eine willkürlich angenommene Behauptung.
Daher sind mir jene Art junggeistlicher Nihilisten suspekt, die dem Reli-Lehrer völlig aus dem Zusammenhang gerissen das Nietzsche-Zitat "Gott ist tot. Wir haben ihn getötet." an den Kopf knallen und sich dann darüber freuen. Auch jene jämmerliche Gestalten, die im Begriff sind, "Übermenschen" zu werden, indem sie alle Werte und Prinzipien umhauen, um sich dann die "immanente, dem Leben dienliche Entsprechung" zu suchen, sind ziemlich bemitleidenswert. Im Klartext sehe ich darin einen Akt des Egoismus, um eigene unmoralische Taten zu rechtfertigen bzw. einfach nur eine Art von Selbstdarstellung gegenüber Personen, die sich mit solch einer Albernheit nicht auseinander setzen wollen.
Doch bitte versteht mich nicht falsch: Ich stehe der Relativierung bestimmter Normen und Werte keinesfalls negativ gegenüber, ebenso wenig verneine ich die Vorstellung der "ewigen Wiederkehr". Ich glaube nur, die Unwürde des Menschen, ein Übermensch zu werden, und seine Fehlerhaftigkeit zeigt sich bereits am Bestreben, ein Übermensch zu werden.
Außerdem habe ich am obigen Beispiel bereits gezeigt, dass man diese Auslegung des Nihilismus nicht ernst nehmen kann, zumindest nicht im modernen Kontext; "Gott ist tot" ist lediglich eine Anspielung auf die Unvereinbarkeit wissenschaftlicher Theorien und christlicher Wertvorstellung, die damals noch wörtlich genommen wurde. Es ist die bloße Kritik an die Moral damaliger Zeit. Wer also immernoch denkt, er könne Übermensch werden oder wir hätten Gott getötet, dem soll gesagt sein:
Hüte dich vor der Moral der völligen Verneinung, denn sie ist die extremste Hypothese.

// Bevor hier jemand "Humbug!" oder nur "Nein!" schreibt, bitte ich um sachlich begründete Äußerungen

Freitag, 3. August 2007

Einsilbig: Verantwortungsangst nach der Überwindung der Religion

Bin ich?
Wer weiß, ob ich bin? Du weißt es nicht, denn es kann sein, dass du nur für mich bist, dass es dich gar nicht "in echt" gibt.

Ich frag mich: Wer sagt, als Chef, als Big Boss, wen es gibt und wen nicht? Wer ist der Big Boss? Ist es Gott, wie sein Fan Club meint? Wohl kaum, der Club schläft und ich bin wach, dank des Buchs, der Zeit und mir Selbst. Dem zum Trotz mag ich den Gott, den es nicht gibt, denn es gibt den Traum von ihm. Doch sein Fan Club geht mir auf den Sack.
Bin ich es selbst, der sagt was es gibt, was sein kann und darf? Schön wärs.
Ich denk, ich hoff, ich will, ich weiß: Ich bin es, der IST, ich bin es, der sagt, wer, wie, wo und wann. Ich bin Gott, du bist Gott, Hans Wurst ist Gott; wer es will ist Gott, für sich selbst. Denn Gott ist tot, und wird es bis an den Schluss sein.
Doch wenn ich es bin, der ist, der sein muss, der ab jetzt herrscht: Was ist, wenn ich es nicht will? Ist es mehr Macht, als ich ab kann, mehr Pflicht, jetzt FREI zu sein? Der Herr zu senn, wenn auch nur für mich selbst? Ich hab Angst.
Ich wünscht, ich wär tot. Bald bin ich eh tot; es bringt nichts, jetzt frei zu sein, denn am Schluss bin ich tot.

Ich will nicht wach sein, nicht wach sein, wenn ich frei sein muss. Schlaf ich, träum ich. Dann träum ich von Gott, und muss nicht mehr der Herr sein, und weiß nicht mehr, dass ich träum und frei war.

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